Irland - Roadtrip Teil 2/ 2

Nach drei Tagen Roadtrip sind wir nun im Westen Irlands angekommen. Und hier ist es wirklich schön.
 
  
Über die vorherigen drei Tage - von Dublin über Rock of Cashel über Midleton und Mizen Head - habe ich im vorherigen Beitrag bereits berichtet. Dieser Teil des Roadtrips gefällt uns jedoch ungleich besser, da
die Landschaften wirklich schön und abwechslungsreich sind, und wir hier eher das erwartete Gefühl der Weite haben als im Süden, wo die Straßen gefühlt viel häufiger dicht bewachsen sind. Das widerum beschränkt die Sicht auf die Landschaft ganz gewaltig. Vor allem Connemara hat es uns angetan - aber der Reihe nach...


Tag 4: Kenmare - Ring of Beara - Muckross House - Killarney - Dingle

Ursprünglich wollten wir den Ring of Kerry abfahren, aber mehrere Iren haben uns auf der bisherigen Reise empfohlen, lieber die anderen Halbinseln im Westen zu besuchen, da es hier mindestens so schön, aber weniger touristisch sein soll.


Die südlich des Ring of Kerry´s gelegene Halbinsel Beara haben wir auf den letzten Kilometern vor Kenmare bereits gestreift und waren da schon begeistert. Also fahren wir nach dem Frühstück ein Stück zurück, halten an der tollen Flusslandschaft, die uns gestern schon auffiel, und genießen die Aussicht von gestern nochmals in der Morgensonne.






Da wir abends in Dingle sein wollen, fahren wir den Ring of Beara nicht komplett bis zum Ende der Halbinsel, sondern nehmen die Abkürzung durch die Caha Mountains. Uns begegnen kaum Autos, als wir durch die wundervolle Landschaft fahren. Das Licht ist herrlich, leicht diesig und pastellig, da macht fotografieren Spaß!








Wieder in Kenmare angekommen, fahren wir weiter nördlich Richtung Killarney Nationalpark. Die Strecke ist großartig, und am Aussichtspunkt Lady´s View halten wir an.




Am Muckross House kurz vor Killarney machen wir ebenfalls Halt und laufen ein bisschen durch den schönen Garten. Die Lage am See ist toll.





Ich würde gerne länger hier bleiben und den Nationalpark ein Stück zu Fuß erkunden, aber langsam knurrt der Magen. Das Café am Muckross House ist proppenvoll, daher entscheiden wir uns, in Killarney Mittag zu essen. Wir kehren im Pub ein auf eine Portion Bangers & Mash. Anschließend spazieren wir ein wenig durch das nette Städtchen.





Wir machen uns wieder auf den Weg und fahren auf die Dingle Halbinsel. Ungefähr auf halber Strecke zwischen Beginn der Halbinsel und dem Ort Dingle passieren wir den Inch Strand, ein langer Sandstrand, der ins Meer hineinragt und von Kitesurfern genutzt wird. Man kann mit dem Auto direkt auf den Strand fahren, das habe ich so auch noch nicht gesehen. Das Licht - dieses mal verursacht von der tiefstehenden Nachmittagssonne - ist abermals sehr weich.







Leider ziehen die Wolken auf der Zielgeraden nach Dingle zu, es wird dunkel, grau und regnerisch. Wir suchen uns eine Unterkunft im Ort Dingle und überlegen, was wir mit dem Rest-Nachmittag anfangen sollen. Schließlich setzen wir uns nochmals ins Auto, um von Dingle über kleine Straßen bis zum Ende der Halbinsel zu fahren.




Unterwegs schaue ich mir die vorzeitlichen Bienenkorbhütten an, für die der Bauer, auf dessen Grund sie stehen, einen geringen Eintrittspreis verlangt. Außerdem werden wir kurz von einer Kuhherde aufgehalten, die gerade in den Stall getrieben wird.


  
Danach haben wir unser Soll für heute mehr als erfüllt und gehen am Hafen von Dingle Muscheln essen. Vorher jedoch stehe ich ein wenig am Hafenbecken, um den bekannten Delfin Fungi zu sehen, er ist aber leider nicht da.


Der Tag endet recht früh, wir sind müde. Den Pubbesuch heben wir uns für den nächsten Tag auf. 


Tag 5: Dingle - Shannon - Cliffs of Moher - Doolin

Am Vormittag verlassen wir die Halbinsel wieder und fahren gen Norden. Um uns den Umweg über Limerick zu sparen, nehmen wir die Fähre über den Shannon ab Tabert. Die Fähre pendelt alle halbe Stunde, das heißt einmal pro Stunde ist Abfahrt auf jeder Seite. Das Wetter ist sehr wechselhaft.




Auf der nördlichen Seite des Shannon kehren wir in einem Pub im Ort Quilty ein, da wir schon wieder Hunger haben. Dabei möchte man meinen, dass das reichhaltige Irish Breakfast den ganzen Tag vorhält...



Dann erreichen wir das Hauptziel des heutigen Tages, die Cliffs of Moher. Wir parken das Fahrzeug auf dem riesigen Parkplatz und steigen widerwillig aus - es regnet. Von oben. Von der Seite. Von allen Seiten. Es ist richtig eklig, weshalb wir uns hier nicht übermäßig lange aufhalten.


Wir sind froh, als wir zurück im Auto sind, und überlegen, wo wir übernachten möchten. Die Wahl fällt auf den Ort Doolin, unter anderem, weil es hier ein sehr bekanntes Pub geben soll, das uns auch einer unserer B&B-Betreiber schon empfohlen hat. Ich suche über iPhone zwei, drei Unterkünfte in Doolin. Wir fahren in den Ort und stellen fest, dass dieser aus drei Ortsteilen besteht, die nicht direkt zusammenhängen - die ausgewählten B&B´s sind zu weit vom Pub entfernt, es regnet schließlich noch immer. Da wir aber auch kein Bargeld mehr haben (und in den meisten B&B´s nur bar gezahlt werden kann), machen wir uns erstmal auf die Suche nach einem Bankautomaten. In Doolin werden wir nicht fündig, so fahren wir in den nächstgrößeren Ort Lisdoonvarna. Hier ist gerade Heiratsmarkt - wie auch immer das dann in der Praxis abläuft - es ist viel los. Einen Automaten gibt´s auf Nachfrage im Supermarkt aber nicht - wir müssen weiter fahren nach Ennistymon, weitere 13 km. Wir sind genervt, aber erfolgreich, und kommen irgendwann wieder in Doolin an. 
Im nächstbesten B&B in der Nähe des Pubs fragen wir nach einem Zimmer. Und juhu, wir bekommen eins, ein total gemütliches, und gleich noch Kekse und Tee. Die Laune hebt sich wieder. Abends im legendären Gus O´Connors Pub sowieso.



Wir essen die besten Seafood Spaghetti, die wir überhaupt jemals hatten, und als der einbeinige ältere Herr "Black is the color" anstimmt, bin ich glücklich. Dafür, dass der Pub so bekannt ist, ist es nur angenehm gefüllt. Beim Rauchen erfahre ich vom Manager des Pub´s, dass die (Gruppen-)Touristen eher tagsüber hier sind, abends aber weiter fahren. Sehr gut. Ein schöner Abend.


Tag 6: Doolin - Burren - Connemara - Clifden

Nach einer stürmischen Nacht, die an unserem Häuschen gerüttelt hat, scheint die Sonne. Jetzt bemerken wir auch, dass unser B&B fast direkt am Wasser liegt... Bevor wir Doolin verlassen, fahren wir kurz runter zum kleinen Hafen, von dem aus man auf die vorgelagerten Inseln schippern kann, und stehen am Meer. Doch, hier würde ich es ohne weiteres noch eine Nacht aushalten. Schade, dass wir weiter müssen.



Wir fahren Richtung Burren, einer Karstlandschaft im Nordwesten des County Clare. Unterwegs bitte ich Volker anzuhalten, damit ich ein Foto von Kühen vor einem Celtic Cross machen kann, und schaue mir den daneben liegenden Friedhof an. 



Wir machen kurz Halt an einer Ruine und am Poulnabrone Dolmen, einer Grabstätte aus der Vorsteinzeit. Hier kann man wunderbar auf dem Karstgestein herumspringen.




Wir fahren durch die beeindruckende Landschaft weiter zur etwas höher gelegenen Aillwee Cave, von der aus man einen schönen Ausblick hat. Wir machen eine Führung in der Höhle mit, was ganz nett ist und nicht zu lange dauert.




Den Burren lassen wir hinter uns und fahren Richtung Galway. Nun gilt es, sich zu entscheiden: Nach Galway und die Stadt anschauen, oder weiter nach Connemara und den Roadtrip fortsetzen. Wir entscheiden uns für letzteres, nach Galway können wir morgen auch noch. An einer Burg, dem Aughnanure Castle, machen wir Brotzeitpause und dann einen kurzen Abstecher zu See Lough Corrib.




An der Kreuzung Maam Cross entscheiden wir spontan, nördlich nach Leenane zu fahren, wo sich ein Fjord ins Landesinnere gräbt. Die Landschaft unterwegs ist großartig, und wieder einmal sind wir die einzigen auf den Straßen.








Wir fahren einfach weiter und sehen plötzlich von der Straße aus ein großartiges Gebäude an einem See. Wir kehren um und stellen fest, dass es sich um die Kylemore Abbey, die älteste irische Benediktinerabtei handelt. Leider sind wir zu spät dran, um das Gebäude und die Gärten zu besichtigen, so machen wir nur ein paar Fotos in der Umgebung.






Wir fahren weiter und kommen in einem B&B in Clifden unter. Hier lassen wir es uns richtig gut gehen und dinieren im gehobenen Seafood Restaurant Mitchell´s. Bei einem anschließenden Spaziergang werden wir vom Regen überrascht (sollte einem in Irland eigentlich nicht passieren - also überrascht sein, dass es regnet...) und finden klatschnass Asyl in einem Pub mit Livemusik.


Tag 7: Clifden - Ballybay

Bevor wir uns von Connemara verabschieden, statten wir dem Connemara Smokehouse in Ballyconneely einen Besuch ab und decken uns mit ca. einem Kilo Räucherlachs ein. Eingepackt in Styropor hält der Lachs ca. vier Tage ohne Kühlung, und der Transport als Handgepäck im Flieger sollte laut Mitarbeiter kein Problem sein. Ist es tatsächlich auch nicht.
 

Außerdem bleiben wir zweimal an Pferdekoppeln stehen, schließlich will ich unbedingt ein echtes Connemara Pony streicheln. Check. Abermals genießen wir die weite Landschaft.






  
Morgen Mittag müssen wir den Mietwagen in Dublin abgeben. Uns jetzt nochmal in eine Stadt (Galway) einzufuchsen, haben wir beide weniger Lust. Stattdessen entscheiden wir uns, den letzten Abend in Ballybay zu verbringen, einem Ort nördlich von Dublin kurz vor der nordirischen Grenze. 
Wir brettern mehrere Stunden durch, bis wir gegen 19:00 Uhr endlich ankommen. Ich war hier schon 2011 auf Grund einer Städtepartnerschaft mit dem Ort, in dem meine Eltern leben, und kenne ein paar Leute. Und ich weiß, dass hier dieses Wochenende Oktoberfest ist, viele Bekannte aus Bayern haben sich angekündigt. Entsprechend groß ist das Hallo, als auch wir hier auftauchen. Es folgt ein wundervoller Pubabend mit vielen Bekannten und lustigen Gesprächen. Gerne würden wir eine Nacht verlängern, was wegen der Rückgabe des Mietwagens aber nicht geht.

Und so fahren wir an Tag 8 des Roadtrips zurück nach Dublin, wo wir einen schönen letzten Tag verbringen.

Fazit: Der Westen gefällt mir besser als der Süden bzw. Südosten. Und: Wir haben uns zu viel vorgenommen. Es wäre an dem einen oder anderen Ort schöner gewesen, noch eine Nacht mehr zu haben - so war die Fahrerei doch eine ziemliche Hetze, um vor Einbruch der Dunkelheit das nächste Ziel zu erreichen. Somit hatten wir an manchen tollen Orten, die quasi am Wegrand lagen, nicht genug Zeit. Aber man lernt ja dazu. Beim nächsten Mal, wenn der Norden und Galway dran ist, lassen wir uns unterwegs mehr Zeit.

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